Fasten hat heilende Wirkung

Ein sehr interessanter Artikel zur gesundheitlichen Wirkung des Fastens, der die Aussage von Valter Longo, Fastenpapst & Biologe an der University of Southern California in Los Angeles, bestätigt: "Fasten ist tatsächlich eines der stärksten Medikamente, die uns zur Verfügung stehen." Nicht nur für den Körper auch für die Seele.

 

Anbei der Spiegel-Artikel.

 

Viele Spaß beim Lesen wünscht

Tina von Bewusst Fasten


Nicht essen ist eine erstaunlich starke Medizin: Neue Studien belegen den positiven Einfluss von klugem Verzicht auf Körper und Psyche. Auch alternative Methoden wie Kurzzeitfasten heilen Krankheiten, helfen beim Abnehmen, hellen die Stimmung auf - und passen in jeden Alltag

Fasten Thüringer Wald

Schon nach 14 Stunden ohne Nahrung schaltet unser Körper eine Art innere Reinigung an. Alles reine Gewöhnungssache. Bei Frank Madeo hat es etwa zwei Wochen gedauert, bis er auf seinen neuen Essrhythmus „programmiert“ war, wie er es nennt. Seither isst er nur zwischen 17 und 20 Uhr. Dann aber alles, was er mag. Bis er richtig satt ist.

 

Klingt gut, aber was ist mit den übrigen 21 Stunden eines jeden langen Tages? „Ich spüre da keinen Hunger mehr“, sagt Madeo, Jahrgang 1967, aufgewachsen im Ruhrgebiet, schlank, durchtrainiert und Professor am Institut für Molekulare Biowissenschaften in Graz.

 

Seit zwei Jahren ernährt er sich nach diesem Plan, fühlt sich leistungsstärker, wird seltener krank. „Ich wollte die Ergebnisse unserer Forschung selbst testen“, sagt er. „Ich kann ja nicht bei meinen Vorträgen Ratschläge erteilen, die ich nicht befolge.“ Sein wichtigster Rat: Intervallfasten - regelmäßiger Verzicht auf Nahrung zu bestimmten Zeiten. Noch krasser ist die Methode, die er gerade an 100 Probanden testet: einen Tag essen, einen Tag fasten.

 

Frank Madeo ist einer der Stars eines relativ jungen Forschungsgebiets, das der uralten Tradition des Fastens auf der Spur ist. Was passiert in unserem Körper, wenn wir freiwillig nichts essen?

 

Nahrungsverzicht bringt sehr viel Gutes.

Im Labor des Altersforschers in Graz untersuchen 30 Wissenschaftler an Hefe, Fruchtfliegen und Menschen, welche Prozesse periodischer Nahrungsverzicht in Zellen auslöst. Vereinfacht: sehr viel Gutes. Verschiedene Formen des Fastens, die in einer Handvoll Labors weltweit untersucht werden, zeigen mittlerweile wissenschaftlich nachweisbare Effekte auf die Gesundheit:

 

Sowohl traditionelle Kuren, Nahrungsverzicht über 14 Stunden oder einige Tage, Dinner- oder Breakfast-Cancelling senken den Blutdruck, helfen bei chronischen Krankheiten wie Rheuma oder Arthritis, verbessern die Stimmung, verjüngen den Körper, beugen Demenz vor. Dabei geht es nicht wie bei Diäten hauptsächlich ums Abnehmen, wohl aber darum, ein gesundes Körpergewicht zu halten.

 

Für einen der eindrucksvollsten Versuche fütterten amerikanische Zellbiologen zwei Gruppen von Mäusen täglich mit exakt der gleichen Kalorienmenge. Die eine durfte rund um die Uhr futtern. Die andere nur zehn Stunden am Tag. Derweil die erste dick und leberkrank wurde, blieb die zweite schlank, gesund und schaffte im Laufrad doppelt so viele Runden wie die dicken Artgenossen.

 

Noch erstaunlicher wird der Versuch, wenn die Mäuse unterschiedlich gesundes Futter verzehren: Eine normal ernährte Maus, die nicht fastet, liegt beim Laufradversuch nur im Mittelfeld. Am leistungsstärksten sind die Mäuse, die ungesund futtern, aber tägliche Fastenzeiten einhalten.

„Diese Erkenntnisse werden unsere Ernährungsmythen durcheinanderschütteln“, sagt Madeo. Es kommt offensichtlich nicht nur darauf an, was man isst - sondern auch auf Timing und Rhythmus. Lange Pausen zwischen den Mahlzeiten sind entscheidend.

 

Fasten lässt sich trainieren

Wir können uns bewusst für Fasten entscheiden, für ein paar Stunden, Tage oder Wochen ohne Essen.

 

Morgens: eine Tasse Apfelschalentee mit 20 Gramm Honig. Mittags: ein Glas Obstsaft. Abends: ein Teller Gemüsebouillon mit einem Teelöffel Schnittlauchröllchen. Ein halbes Kilo pro Tag nehmen die Patienten durchschnittlich ab. Aber: Verzichten hatte schon beim alten Buchinger noch eine ganz andere Dimension.

 

Längere Fastenperioden lassen die Psyche wieder klar werden. Alles, was man für unverzichtbar hielt, wird doch nicht vermisst: Essen, Kaffee, Alkohol, Mails checken. Dieses Gefühl sei für viele Fastende wie eine Befreiung, und das erleichtert die Lebensumstellung nach dem Fasten. Bis dahin aber ist der Weg hart und lang. Kaffee-Entzug macht Kopfschmerzen, das Glaubersalz zur Darmreinigung schmeckt furchtbar, Einläufe sind auch nicht jedermanns Sache. Der Blutdruck rutscht in den Keller, und bis der Körper sich darauf eingestellt hat, dass er jetzt Fettzellen verbrennen soll, weil es nichts zu essen gibt, signalisiert er: Hunger!

 

Fast alle Patienten machen die Erfahrung, dass sich am dritten Fastentag ein Gefühl großer Klarheit einstellt. Für die einen ist es wie ein Licht, das im Kopf angeschaltet wird. Für die anderen ein Vorhang, der beiseitegeschoben wird und den Blick frei macht auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Das „Fasten-High“ bewahrte den Urmensch davor, deprimiert in seiner Höhle zu verhungern, und schickte ihn mit wachen Sinnen auf Nahrungssuche. Psychologen, die heute Fastende betreuen, erleben diese als euphorisch, willensstark, durchlässiger für ihre eigenen Emotionen. Und als unbändig stolz auf die eigene Disziplin.

 

Mehr Zeit für andere Dinge

„Wir leben in einer toxischen Gesellschaft, in der alles zu viel ist“, sagt Fastenärztin Wilhelmi de Toledo. Zu viel Essen, zu viele Informationen, zu viele Optionen. Wer nicht isst, hat plötzlich etwas, das allen fehlt: mehr Zeit. Zum Lesen, zum Ausruhen, zum Nachdenken. Vielleicht sogar zum Beten.

 

Es darf und kann aber auch jeder einfach nur fasten, weil es gut für den Körper ist. Weil man danach schlanker ist, die Haut klarer. Nicht jeder muss nach einer Fastenkur sein Leben auf den Kopf stellen, aber: Jeder kann Reinigung gebrauchen.

 

„Fasten ist tatsächlich eines der stärksten Medikamente, die uns zur Verfügung stehen“, sagt Valter Longo, Biologe an der University of Southern California in Los Angeles. In den USA gilt Longo als der Heilsbringer in Sachen Fasten.

 

Quelle: http://www.spiegel.de

 

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